Ein Tscheche?

Honza, ein gut gebauter ehemaliger Bauernbursche aus Nová Ves (Neudorf) im Isergebirge hat‘s gut. Blinzelt mit seiner sympathischen Zahnlücke in die untergehende Sonne. Während seine nackten Sohlen in der Neißequelle paddeln, erfrischt er sich kopfüber. Mit einem kräftigen Schluck Pilsener.

Es ist nicht irgendein Bier. Sondern Honza. Das Bier, das wundersame Kräfte weckt.

Im 14. Jahrhundert experimentieren verbannte Mönche mit den heilenden Wassern der böhmischen Gebirgsbäche und verschiedenen Kräutern.

Über die Gebete vergessen sie das eine oder andere Fläschchen. Wie groß ist das Entzücken nach der Verkostung. Das Gebräu beflügelt und beseelt. Unter den Mönchen befindet sich auch der junge Jan.

Wie Schuppen fällt es ihm beim Genuss des Wunderbieres von den Haaren: „Wir brauchen eine Geheimschrift. Um unser Rezept zu schützen.“ Und so erfindet Jan Hus die tschechischen Kringel. Seitdem gibt es das "č", das "š" und das "ž“, das wie "j“ in „Janette" gesprochen wird.

 

Einige Jahre später kommt der Priester leider bei einem kontrollierten Brand ums Leben. Und die Welt denkt, dass mit ihm auch die geheimen Rezepte verschwanden. Irrtum.

Fünf Heesters später macht Gott groß Reine. Auch der Dachboden ist mal wieder dran. Unter einer Kommode kommt eine alte Schrift zum Vorschein. Es ist das Rezept der Hussiten. Gott ist neugierig geworden und beauftragt eine kleine Hausbrauerei. Wenige Wochen später prostet er sich zu, schwingt sich an den Flügel und wie von selbst entsteht ein Welthit:

 

Singen, kochen, tanzen, lachen, glicklich machen - das ist Pilsener.

 

Pferde stääählen, Äpfel schääälen und erzääählen - das ist Pilsener. 

 

Du hast mich getröstet in der Nacht und gut ins Bett gebracht.

 

Wir lieben dich und trinken gern das leck‘re Pilsener.


(Die tschechischen Grauen Panter entführen Karel Gott wenig später und erzwingen die Aufnahme von Babitschka in das Lied.)

Das Wunderbier hinterlässt auch auf dem Fußballplatz seine Spuren: 20. Juni 1976. In der Nacht von Belgrad läuft das EM-Finale zwischen Deutschland und der ČSSR. Antonin Panenka lässt sich vom Zeugwart eine abgedunkelte Flasche reichen. Niemand im weiten Rund nimmt Notiz davon. Ein einziger Schluck vom Wunderpilsener reicht. Während Hoeness nüchtern das Leder in den Himmel drischt, lupft Panenka den Ball in die Mitte des Tores. Zu diesem Zeitpunkt liegt der deutsche Torwart längst im linken Eck und ist für einen Moment der Depp Maier der Nation.

Honza ist ein unehelicher Schwippschwager des Bruders vom Mannschaftsarzt der 76er Wunderelf. Über diese direkte Linie landet das Geheimnis der Superpilsners in der Gegenwart.

Honza besitzt mittlerweile eine eigene Motorradmarke. Sogar ein Formel 1-Rennen wurde nach ihm benannt. Und er kennt Zimmermann und Hönel persönlich. Ein gemachter Mann also.

Prost Neujahr!